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Rückblick: Freiburg verändert sich - Wir gestalten mit

„Wir gestalten Stadt“ und „Unterwegs im Stadtteil: Was brauchen wir?“ waren die vielversprechenden Titel, die eine Veranstaltung am Freitag, 7. Dezember 2018 im Technischen Rathaus Freiburg stattfand.

Eingeladen waren besonders Menschen mit Lernschwierigkeiten und Menschen, die sich innerhalb der Stadtverwaltung Freiburgs mit dem Thema Stadtentwicklung beschäftigen. Das Netzwerk Inklusion Region Freiburg e.V. hatte die Veranstaltung „Freiburg verändert sich: Wir gestalten mit organisiert. Der Verein erhält im Moment eine Projetkförderung im Rahmen des Landesprogramms „Impulse Inklusion 2017“.

Nach einer kurzen Begrüßung von Pia-Maria Federer (Projektleitung) und Michael Feller (2. Vorsitzender NIRF e.V.) sprach die städtische Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung, Sarah Baumgart, ein Grußwort. Darin ging sie auf das schwierige Wort „Stadtentwicklung“ ein ( „Regeln zu finden nach denen eine Stadt wachsen soll und diese Regeln zu benutzen nennt man Stadt-entwicklung.“). Nach der Beobachtung, dass an Veranstaltungen zum Thema Beteiligung bei Stadtentwicklung, oft nur wenige Menschen mit Behinderung teilnehmen nannte sie mögliche Grüne: unpassende Uhrzeit, weiter Weg oder nicht verständliche Sprache. Die Meinungen dieser Menschen fehlten dann. Mit der Forderung, dass alle mitreden können sollen und alle ihre Meinung sagen und Fragen stellen können sollen, weil alle Menschen wichtig sind leitete sie in den Vortrag von Anja Teufel und Frank Belling über.

Die beiden von der inklusiven Firma „k Produktion“ aus Hamburg haben schon viele gemeinsame Veranstaltungen begleitet und sind als Expert*innen für Leichte Sprache in ganz Deutschland unterwegs. In ihrem Vortrag gaben und fanden sie gemeinsam mit den Anwesenden Antworten auf die Fragen

  • Was bedeutet Beteiligung?
  • Was ist wichtig im Stadt-teil?
  • Was ist Ihnen wichtig?

Mittels barrierearmer Methoden wie der „Summ-Runde“ (Summen = Zustimmung und Still-sein = keine Zustimmung) wurde ein Stimmungsbild zu bestimmten Aussagen erfragt:

a) In meinem Stadt-Teil gibt es gute Treffpunkte für alle Menschen

b) Menschen mit Lernschwierigkeiten wohnen meist so wie sie wollen

c) Die Stadt Freiburg weiß gut Bescheid: So möchten Menschen mit Lernschwierigkeiten wohnen.

Hier wurde deutlich, dass eine Barrierefreiheit viele Aspekte hat: Eine Gruppe von Menschen mit Hörschädigung entwickelte ihre Möglichkeit zum mitmachen kreativ und adhoc. Auch die Gebärdensprachdolmetscherinnen hakten ein.

Bei der zweiten Mitmach-Aktion sollten sich die Anwesenden in Gruppen aufteilen und die vorgegebenen Punkte bearbeiten. Auf Plakaten wurden diese Ergebnisse dargestellt:

 

Sich Wohlfühlen im Stadtteil: Alle möchten sich im Stadt-Teil wohlfühlen. Was ist für Sie besonders wichtig dafür?

Gruppe 1

Gruppe 2

  • Eigener barrierefreier / bezahlbarer / gesicherter Wohnraum
  • Grünflächen, Bäume, ruhig gelegener Stadtteil
  • guten Anbindung ÖPNV
  • Plätze und Räume zur Begegnung – Mittagstisch günstig, kostenloser Internettreff
  • gute Durchmischung des Stadtteils
  • gute Nachbarschaft
  • kurze Wege bzgl. Infrastruktur
  • Vorstellungen:
  • Wohnungen mit allen Aufzügen
  • Allgemeine Kommunikation mit Gebärdensprachkompetenzen z.B. Kindergarten, Schulen, Sport usw.
  • Gebärdensprachkompetenz für Alle (im Computer eintragen)

 

Beteiligung planen: Ihre Meinung ist wichtig! Wie können Sie gut Ihre Meinung sagen?

  • Gleichgesinnte zusammenführen
  • sich an Politik wenden, z.B. Stadträte
  • Mehr Öffentlichkeitsarbeit
  • Alle Akteure der Stadtteile mit einbeziehen, z.B. Vereine (BIWAQ (Projekt für Langzeitarbeitslose))
  • Arbeitgeber mit einbeziehen
  • Sich angesprochen fühlen
  • Wertschätzung
  • ich muss mich wohlfühlen

 

 

Nach dem Aufzeigen der Bedeutung von Beteiligung und wie diese Aussehen kann und von Faktoren, die wichtig für das Gelingen von Beteiligung sind, gingen Anja Teufel und Frank Belling auch auf Probleme ein. Sie nannten wichtige Punkt VOR und BEI der Veranstaltung:

a) Vor der Veranstaltung:

  • Vorher überlegen: Wie können Menschen mit Lernschwierigkeiten gut mitmachen
  • Mit Werkstatt oder Wohn-Einrichtung reden
  • Einladung in Leichte Sprache
  • Fahr-Dienste einplanen

b) Bei der Veranstaltung:

  • Kleine Arbeits-Gruppen mit Unterstützung
  • Menschen mit Lernschwierigkeiten leiten mit
  • Genug Unterstützungs-Personen

     

 

Eine kleine Pause mit Getränken und Laugenstangen gab die Möglichkeit zum Austausch.

 

 

Anschließend wurden im Beitrag von Monika Seifert von der Deutschen Heilpädagogischen Gesellschaft die Punkte

  • Hat die eigene Meinung Gewicht
  • Erfahrungen von Menschen mit Lern-Schwierigkeiten in ihrem Stadt-Teil.
  • Wie können Menschen mit Lern-schwierigkeiten bei der Weiter-entwicklung von Stadt-teilen mitmachen?

Aufgefasst.

In einer Kundenstudie (Monika Seifert: Kundenstudie – Bedarf an Dienstleistungen zur Unterstützung des Wohnens von Menschen mit Behinderung. Berlin: Rhombos-Verlag 2010) wurden 120 Menschen mit Lern-schwierigkeiten befragt.

Zur Frage Wird Ihre Meinung im Wohn-alltag ernst genommen?“ gab mehr als die Hälfte der Befragten an: Meine eigene Meinung wird nur manchmal ernst genommen. Oder nie.

Mehrere Beteiligungs-möglichkeiten wurden genannt (u.a. Bewohner-Rat, Arbeits-Gruppen,Werkstatt-Rat, im Wohn-alltag, in meinem Stadt-teil). Die meisten wünschten sich auch mehr Kontakt zu den Menschen im Stadt-teil. Wichtig ist, dass es gemeinsam nutzbare Orte gibt.

 

Als das Projekt „Wohnen im Stadtteil vorgestellt wurde, konnten die Anwesenden -wie schon beim ersten Beitrag an diesem Nachmittag- Methoden für Beteiligung kennenlernen. Netzwerk- und Kiez-karten zeigen welche Menschen mir wichtig sind und welche Orte ich mag. Dabei zeigt sich manchmal, was geändert werden sollte damit sich die Menschen wohlfühlen.

Der anschließende Film „Liebling-Orte von Hanno“ zeigte dies ganz praktisch.

Die Frage „Was soll sich ändern im Stadtteil“ konnten manche Menschen nicht beantworten. Sie sind noch nie danach befragt worden. Einige nannten ihre Wünsche, z.B. Arbeits-plätze im Stadt-teil, Zugang zu Sport-vereinen

 

Mit der Bezirkskonferenz gab es eine Plattform, wo sich Menschen mit und ohne Behinderung darüber austauschen können, wie Wohnen in Nachbarschaften und Arbeiten im Stadt-Teil aussehen sollte. Es gibt nun einen Runden Tisch in Tempelhof-Schöneberg und mehr Vernetzung im Stadtteil.

Anschließend wurden mehrere Projekte der konkreten Beteiligung von Menschen mit Lern-schwierigkeiten gezeigt, z.B. Inclucity Cologne. Die Selbstvertretungs-gruppe von Menschen mit Lernschwierigkeiten ist Mitglied der Stadtarbeit-Gemeinschaft „Behinderten-Politik“ und dort auch stimmberechtigt.

Mit der Forderung, dass Stadt-teile so gestaltet sein soll, dass sich alle wohl fühlen aussehen schloss sie ihren Beitrag und verabschiedete die Anwesenden ins Wochenende.