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„Gesundheit für alle – Was ist zu tun?!“ / Abschlussveranstaltung

Am Freitag den 26.02.2021 fand die Abschlussveranstaltung des über einjährigen Projektes „Gesundheit für alle“ statt, das vom Sozialministerium Baden-Württemberg gefördert wurde.

Gerne hätten WIR ALLE wohl gern diese Veranstaltung „normal“ durchgeführt, aber was heißt schon „normal“? Aufgrund der aktuellen Lage wurde sie als Online-Meeting geplant und durchgeführt. Die Präsentationen finden Sie nach und nach auf dieser Seite zum Nachlesen!

 

Die Veranstaltung startete um 15 Uhr. Unter den etwa 35 Anwesenden waren auch Kandidierende für die Landtagswahlen BW die in diesem Jahr statt finden – namentlich Dr. Arndt Michael (CDU), Imke Pirch (Die Linke), Nadyne Saint-Cast (Die Grünen) und Jennifer Sühr (SPD).

Nach kurzen einführenden Worten von Anke Glenz und Michael Feller, beide Vorsitzende beim Netzwerk Inklusion Region Freiburg e.V., ging es ans Eingemachte: Die Ergebnispräsentation zweier Umfragen, die im Projekt stattgefunden hatten.

Den Anfang machten Studierende der Heilpädagogik / Inclusive education der katholischen Hochschule, die während ihres 4. und 5. Semesters eine Befragung zu den Erfahrungen von Menschen mit Behinderungen in der ambulanten Gesundheitsversorgung im Lokalen. Die Kooperation zwischen Netzwerk und Studierendengruppe wurde auch von Sarah Baumgart angestoßen. Gemeinsam entwickelten die Projektpartner einen Fragebogen, der über die verschiedenen Verteiler die Menschen mit Behinderung der Region erreichen sollte:

Insgesamt kamen etwa 150 Antwortbögen zurück. Kommunikationsschwierigkeiten sowie fehlende Empathie und mangelnder Respekt wurde als häufige Wahrnehmung ausgemacht. Neben den Erfahrungen wurden auch Verbesserungsvorschläge erfragt: Hier wurden z.b. bessere Schulungsprogramme für Ärzt*innen, Mitwirkung bei der Planung von Arztpraxen und ihr finanzieller Zuschuss genannt. Die Forderung nach besserer Vergütung von Ärzt*innen bei der Behandlung von Menschen mit Behinderung irritiert zumindest. Zur Ergebnispräsentation gelangen Sie hier.

 

Von einer anderen Seite näherte sich Sophia Warnecke der ambulanten Versorgung: Im Auftrag der Kommunalen Gesundheitskonferenz fertigte sie ihre Master-Thesis zum Thema „Umfassende Barrierefreiheit in Arztpraxen“ an. Dazu entwickelte sie einen Fragebogen, der an ca. 1200 Praxen der Stadt- und Landkreise Freiburg und Breisgau-Hochschwarzwald verschickt wurde. Etwa 250 Antwortbögen kamen zurück! Sie untersuchte wie barrierfrei die Versorgungsangebote für verschiedene Behinderungsarten sind und stellte eine mangelnde Sensibilisierung heraus. Gleichzeitig fragte sie nach Verbesserungsvorschlägen (z.B. Menschen mit Behinderungen dazu befähigen, ihr Leben mit ihrer Beeinträchtigung gesundheitskompetent zu bewältigen). Die Ergebnisse können Sie in Ihrer Präsentation nachverfolgen.

 

Anschließend konnten sich die Kandidierenden äußern – und zwar in maximal 5 Minuten:

Dr. Arndt Michael hob die Beduetung der Umfragen heraus und stellte einen Einbezug in die Landespolitik in Aussicht.

Imke Pirch forderte, dass es ein inklusives Gesundheitswesen in staatlicher Hand brauche,

Nadyne Saint-Cast sprach von der Errichtung einer Modellregion für barrierefreie Gesundheitsversorgung und

Jennifer Sühr widersprach dem, schließlich brauche es keine Modellregion, sondern eine flächendeckende bedarfsgerechte Versorgung.

Insgesamt schätzten die Anwesenden beide Umfragen sehr.

 

Nach dem Wunsch von Pia-Maria Federer die Ergebnisse auch im Sozialausschuss des Gemeinderats Freiburg zu präsentieren beendete Sarah Baumgart die Veranstaltung, wobei sie u.a. auf Artikel 25 der UN-Behindertenrechtskonvention verwies:

Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit ohne Diskriminierung aufgrund von Behinderung. Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Maßnahmen, um zu gewährleisten, dass Menschen mit Behinderungen Zugang zu geschlechtsspezifischen Gesundheitsdiensten, einschließlich gesundheitlicher Rehabilitation, haben. Insbesondere

  1. stellen die Vertragsparteien Menschen mit Behinderungen eine unentgeltliche oder erschwingliche Gesundheitsversorgung in derselben Bandbreite, von derselben Qualität und auf demselben Standard zur Verfügung wie anderen Menschen, einschließlich sexual- und fortpflanzungsmedizinischer Gesundheitsleistungen und der Gesamtbevölkerung zur Verfügung stehender Programme des öffentlichen Gesundheitswesens;

  2. bieten die Vertragsstaaten die Gesundheitsleistungen an, die von Menschen mit Behinderungen speziell wegen ihrer Behinderungen benötigt werden, soweit angebracht, einschließlich Früherkennung und Frühintervention, sowie Leistungen, durch die, auch bei Kindern und älteren Menschen, weitere Behinderungen möglichst gering gehalten oder vermieden werden sollen;

  3. bieten die Vertragsstaaten diese Gesundheitsleistungen so gemeindenah wie möglich an, auch in ländlichen Gebieten;

  4. erlegen die Vertragsstaaten den Angehörigen der Gesundheitsberufe die Verpflichtung auf, Menschen mit Behinderungen eine Versorgung von gleicher Qualität wie anderen Menschen angedeihen zu lassen, namentlich auf der Grundlage der freien Einwilligung nach vorheriger Aufklärung, indem sie unter anderem durch Schulungen und den Erlass ethischer Normen für die staatliche und private Gesundheitsversorgung das Bewusstsein für die Menschenrechte, die Würde, die Autonomie und die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen schärfen;

  5. verbieten die Vertragsstaaten die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen in der Krankenversicherung und in der Lebensversicherung, soweit eine solche Versicherung nach innerstaatlichem Recht zulässig ist; solche Versicherungen sind zu fairen und angemessenen Bedingungen anzubieten;

  6. verhindern die Vertragsstaaten die diskriminierende Vorenthaltung von Gesundheitsversorgung oder -leistungen oder von Nahrungsmitteln und Flüssigkeiten aufgrund von Behinderung.

 

 

Christoph Kaiser und Michael Feller