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eine schule für alle - Erklärung zum Abbruch des Modellversuchs »Grundschule ohne Noten«

Zum Abbruch des Modellversuchs »Grundschule ohne Noten«, den die Kultusministerin kürzlich verfügt hat, hat die Mitgliederversammlung am 29.11.2017 folgende Erklärung verabschiedet:

Erklärung der Mitgliederversammlung am 29. November 2017
zum Abbruch des Modellversuchs »Grundschule ohne Noten«

Ministerin Eisenmann (CDU) hat ohne Not und gegen den Willen der Beteiligten einen 2013 genehmigten Schulversuch »Grundschule ohne Noten« an 10 Grundschulen abgebrochen; eine davon ist die Paul-Hindemith-Schule in Freiburg, die schon seit 2004 eine andere Lernkultur und eine sehr differenzierte Form der Leistungsrückmeldung ohne Noten erarbeitet hat und praktiziert.

Zur Information ist es sehr hilfreich, die Website der Paul-Hindemith-Grundschule zu besuchen; hier findet sich die Filmdokumentation eines Lernentwicklungsgesprächs vom Februar 2017. Der Clip wurde vom »freiburger bündnis – eine schule für alle« in Zusammenarbeit mit der Schule produziert und zeigt die Leistungsrückmeldung in Form eines Lerndialogs mit einem Schüler. Auch die Interviews mit Eltern, Klassenlehrerin und Schulleiterin lassen den Abbruch des Modellversuchs umso unverständlicher erscheinen.

Auf der Website der Paul-Hindemith-Schule steht: »In unserer Schule soll eine angst- und stressfreie Lernatmosphäre herrschen, in der die Eltern und Schüler regelmäßig eine kompetenzorientierte, direkte Rückmeldung über das Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten bekommen. Lehrer, Schüler und Eltern sollen miteinander über die erbrachten Leistungen ins Gespräch kommen und sich gegenseitig beraten, informieren und stützen. Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Freude am ›Lernen wollen‹ und ihren Drang nach ›Wissen zu streben‹ erhalten und keine Ausgrenzungen und Demütigungen in der Klasse aufgrund nicht erfüllter Erwartungen erfahren.«

Wir befürchten, dass die Ministerin mit dem Abbruch des Schulversuches die vielversprechenden Ansätze zur Entwicklung, Erprobung und Anwendung einer kindgerechten Lernkultur mit Absicht und möglicherweise irreparabel beschädigt.

Auch in den Gemeinschaftsschulen gibt es in der Sekundarstufe I keine Noten: »In der Gemeinschaftsschule sind Noten nur in den Abschlussklassen sowie beim Wechsel in eine andere Schulart obligatorisch. Den Kern der Leistungsrückmeldung bilden differenzierte Beurteilungen über den individuellen Entwicklungs- und Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler. Auf Wunsch der Eltern können diese durch Noten ergänzt werden.«

Ist diese andere Form der Leistungsrückmeldung an Gemeinschaftsschulen nun auch bedroht?

Wir erwarten, dass die Kultusministerin die Entscheidung zurücknimmt, und fordern alle an der Schulentwicklung beteiligten und interessierten Menschen und Gruppen in Freiburg auf, sich gegen diese inhaltlich unbegründete, willkürliche und bedrückende Entscheidung zu engagieren.

Im Anhang finden Sie die Erklärung als PDF-Datei. Wir bitten darum, sie an Interessierte weiterzuleiten. Vielen Dank!

Herzliche Grüße,
für den Vorstand: Rolf Wiehe, Stefan Krauss