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Bericht: Stadtforum Inklusion vom 22.2.2017

Rund 150 Personen - Betroffene, interessierte Öffentlichkeit, Gemeinderät*innen, (ehemalige) Angehörige der Stadtverwaltung und auch eine Vertreterin der Bundespolitik, Kerstin Andreae -  waren zum krönenden Abschluss der "Woche der Inklusion" am Mittwochnachmittag, 22. Februar 2017,  in den Runden Saal des Konzerthauses Freiburg gekommen. Sie alle wollten verfolgen, wie es mit der Umsetzung von Inklusion in Freiburg vorangeht und was für die Zukunft geplant ist. Während der Woche besuchten rund 1600 Menschen die dazugehörigen Veranstaltungen.Die "Woche der Inklusion" und das Stadtforum Inklusion hat Guido Willmann, Koordinationsstelle Inklusion der Stadt organisiert. Im Interview mit Radio Dreyeckland gibt er Auskunft zur Woche (https://rdl.de/beitrag/die-freiburger-woche-der-inklusion)

Nach einem musikalischen Auftakt des inklusiven Chors der Albert-Schweitzer-Schulen I-III begrüßte Bürgermeister Ulrich von Kirchbach die Anwesenden, darunter Angehörige der Stadtverwaltung, (Bundes-)politik und interessierte Öffentlichkeit. Auch die Gebärdendolmetscherinnen hatten alle Hände voll zu tun.

Sofie Eichner vom Büro StadtRaumKonzept aus Dortmund stellte einige der mehr als 80 eingegangenen Meinungskarten zum Thema "Für ein inklusives Freiburg wünsche ich mir..." vor. Das Büro begleitet die Stadt Freiburg bei der Durchführung der Strategie Inklusion sowie Erstellung der Aktionspläne. Zusammen mit Sarah Baumgart (Beauftragte für Menschen mit Behinderungen Stadt Freiburg) und Frau Dr. Breckwoldt (Vorsitzende des Stadtseniorenrates Freiburg e.V.) wurden Eindrücke aus der Woche, die vom Radio-Team der Pädagogischen Hochschule aufgenommen wurden.

Hr. Werner Witt, SWR Studio Freiburg, moderierte anschließend das 3er Gespräch. Auf den Hinweis aus dem Publikum, dass man sich in Sachen Barrierefreiheit auf dem Münsterplatz doch am nahen Basel orientieren könne, wurde auf die zentrale Bedeutsamkeit vom Bürgermeister anerkannt mit, mit dem Vorschlag der Finanzierung über die Bettensteuer oder durch die ansässige Kirche. Von Kirchbach gab zu Bedenken, dass zwar sein Dezernat (III) für die Erstellung des Aktionsplans zuständig sei, aber die Umsetzung der Maßnahmen letztlich an die verschiedenen jeweils zuständigen Dezernate gebunden sei.

Die inklusive Band "The Moonwalkers" sorgte anschließend -wie schon beim letzten Stadtforum Inklusion im Sommer 2015- für ein musikalisches Intermezzo.

Anschließend präsentierte Prof. em. Dr. Baldo Blinkert die Studie "Generation 55plus: Lebennsqualität und Zukunftsplanung" und Ergebnisse. Der Vortrag ist am Ende des Textes oder HIER zu finden. Scherpunktmäßig ging er mit seinem Vortrag zu "Aktives Altern und Inklusion" auf den Themenbereich Lebensqualität und Zukunftsplanung / soziale Inklusion als Herausforderung in einer polarisierten Gesellschaft ein. Zentrale Erkenntnis der Studie war, dass die Stadtteile Freiburg so unterschiedlich mit Ressourcen bzw. Kapitalien ausgestattet sind, dass sich deutliche Unterschiede im Hinblick auf Möglichkeiten zu aktivem Altern ergeben. Mit Blick auf Inklusion führte Blinkert an, dass eine Stadtgesellschaft dann gerecht sei, wenn sie all ihren Mitgliedern Teilhabe ermögliche.

In einem ausführlichen Beitrag blickte Alexander Sbosny, StadtRaumKonzept Dortmund, zurück auf den vergangenen Aktionsplan Inklusion mit seinem Schwerpunkt Menschen mit Behinderungen. Beim Blick auf den Umsetzungsstand der 92 verschiedenen Maßnahmen ergab sich ein differenziertes Bild: Während 67 Maßnahmen bereits umgesetzt wurden - wie die Einrichtung einer Stelle für eine hauptamtliche Beauftragte für Menschen mit Behinderung - oder im nächsten Doppelhaushalt eingestellt sind, sind 25 Maßnahmen noch nicht umgesetzt. Beim neuen Aktionsplan, der Senior_innen in den Blick nimmt, wurde v.a. geschaut, wo sich Synergieeffekte mit dem früheren Aktionsplan ergeben, d.h. wo können Maßnahmen, die Menschen mit Behinderungen und Senior_innen gleichermaßen betreffen, genutzt werden. Die Präsentation der Evaluation des Aktionsplans 2015/2016 und der Fortschreibung 2017/2018 finden Sie ebenfalls weiter unten oder HIER.

3 Bereiche wurden fokussiert:

a) Begegnung im Stadtteil
b) intergeneratives Wohnen
c) barrierefreier Wohnraum
 

Nun war die Stunde des Publikums gekommen - Fragen waren erwünscht und konnten allen, die auf dem Podium vertreten waren gestellt werden. So nutzen einige Mitglieder des Gemeinderats die Möglichkeit in Statements aufzuzeigen, welche inklusions-relevanten Ergänzungsanträge für den nächsten Doppelhaushalt sie beabsichtigen einzureichen. Auf die Frage, wieso der Bertoldsbrunnen nicht barrierefrei sei und einen Zu- und Aussteig für mobilitätseingeschränkte Personen nicht zulasse, verkündete die Behindertenbeauftragte Sarah Baumgart, dass das Herz der Freiburger ÖPNV-Infrastruktur noch in diesem Jahr barrierefrei gestaltet werde. Angesprochen auf die untragbare Situation bzgl. der Aufzüge am Bahnhof gab Anke Dallmann, Gemeinderätin und Vorsitzende der Initiative BoB (Bahnhof ohne Barrieren) an, dass es konkrete Gespräche zwischen Stadt und Bahn gebe, die eine Lösung der Problematik absehbar mache. Zum Schluss wurden die beiden Prozessbegleiter von StadtRaumKonzept gefragt, was sie sich -analog zu den Wunschkarten- für ein inklusives Freiburg wünschen. Sophie Eichner lobte das Engagement der Stadt und forderte zum Fortführen auf.

"The Moonwalkers" gaben zum Ausklang noch zwei Songs zum Besten.

Bei einem Imbiss und Getränken gab es die Möglichkeit zu Gesprächen unter den Anwesenden, was auch rege genutzt wurde. Angesprochen auf die Frage, was Freiburg zur Umsetzung von Inklusion brauche, gab Bernd Winter, ehemals Netzwerk Inklusion Landkreis Lörrach an, dass es Begeisterung für Inklusion brauche. Daneben habe sich im Landkreis Lörrach gezeigt, dass ein institutionalisiertes Gremium aus Vertreter_innen Stadt/Landkreis, Träger_innern der Eingliederungshilfe und Betroffenen innovative Projekte und Lösungen im Sinne der Inklusion auf den Weg bringen könne. Alexander Sbosny, StadtRaumKonzept, mahnte an, dass die noch nicht umgesetzten Maßnahmen in den Fokus genommen werden sollen und an ihrer Verwirklichung gearbeitet werden solle. So würden die früheren Maßnahmen nicht in Vergessenheit und Unbestimmtheit geraten.