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Bericht: Podiumsdiskussion: (Haupt-)Bahnhof ohne Barrieren: Bahn und Politik stellen sich!

Vertreter_Innen aus der Politik und der Deutschen Bahn diskutierten über die Verbesserung der Barrierefreiheit am Freiburger Hauptbahnhof. Die hitzige Debatte blieb (leider) aus, aber einen Schritt weiter Richtung neue Aufzüge sind alle Akteure gekommen.

am 11.02.2016 im Konzerthaus Freiburg

18 Uhr - Konferenzraum 9 im Konzerthaus Freiburg. Ein paar wenige Teilnehmer_Innen haben es sich bereits auf den Stühlen bequem gemacht. Manche kennen sich bereits und sind eifrig in Gespräche vertieft. 18:15 Uhr - der Raum füllt sich spürbar. Menschen im Rollstuhl, mit Unterarmgehstützen, mit und ohne Einschränkung, jung und alt strömen in den Raum. Die Techniker des Konzerthauses müssen weitere Stühle organisieren und Stehtische aus dem Raum tragen, um Platz zu schaffen. Schon zu Beginn der Veranstaltung von BoB, der Initiative Bahnhof ohne Barrieren, mit dem Titel (Haupt-) Bahnhof ohne Barrieren: Bahn und Politik stellen sich! ist klar zu erkennen, wie wichtig einer Vielzahl an Menschen in Freiburg dieses Thema ist.

Anke Dallmann, Initiatorin des Bündnisses und Sprecherin des Netzwerks Inklusion Region Freiburg, leitete in das Thema ein und freute sich über die fraktionsübergreifende Präsenz. So waren Kerstin Andreae (Bündnis 90/Die Grünen, MdB), Gernot Erler (SPD, MdB), Matern von Marschall (CDU, MdB) sowie Prof. Dr. Martin Haag (Bürgermeister für Stadtentwicklung und Bauen der Stadt Freiburg) der Einladung gefolgt. Die Deutsche Bahn wurde durch Michael Groh, Leiter des Regionalbereichs Südwest der DB Station&Service AG, vertreten. Ebenfalls an der Podiumsdiskussion beteiligt war Jörg Dengler vom Verkehrsclub Deutschland und auch Sprecher bei BoB.

Im direkten Vorfeld dieser Veranstaltung wurden die Podiumsteilnehmer_Innen problemorientiert über den Bahnhof geführt. Ein möglichst gleicher Kenntnisstand als Diskussionsbasis wurde so hergestellt. Ergänzend zu diesem, für die meisten Vertreter_Innen auf dem Podium erkenntnisbringenden und sensibilisierenden Rundgang, zeigte Dr.-Ing. Karin Arndt vom Rhein-Main-Verkehsverbund (RMV) anschaulich und praxisorientiert, wie komplex der Begriff barrierefrei ist und wie vielfältig, aber teils auch gegensätzlich, die Anforderungen aus Sicht der Betroffenen sind. So ist zum Beispiel eine Rampe im Gegensatz zu einem Aufzug immer nutzbar, benötigt aber mehr Platz und lässt sich schwieriger in bestehende Strukturen integrieren. Aber selbst eine Rampe kann aufgrund ihrer Länge für Menschen mit verminderter Gehstrecke zur Barriere werden. Der Impulsvortrag machte deutlich, dass es kein allgemeingültiges Erfolgsrezept für einen barrierefreien Bahnhof gibt, sondern individuell Lösungen gefunden werden müssen – am Besten zusammen mit Betroffenen, denn nicht immer bedarf es einer (teuren) Norm-Umsetzung.

Der darauffolgenden Podiums- und Plenumsdiskussion wurde durch die Kurzpräsentation von DB-Repräsentant Michael Groh etwas „Wind aus den Segeln“ genommen, da er neben der statistischen Bekräftigung des wichtigen Knotenpunktes Freiburg Hbf auch die Bereitschaft zum konkreten Handeln verlauten ließ. So soll die Variante Nord (-unterführung) für neue Aufzüge aus der Machbarkeitsstudie (2012) weiter vorangetrieben werden. Während der folgenden Podiumsdiskussion wurde den Anwesenden erläutert, dass Freiburg trotz der per Definition vorhandenen Stufenlosigkeit (und demnach fehlendem Handlungsbedarf) neue Aufzüge bekommen würde – die Prüfungen hätten bereits begonnen. Bis Ende des Jahres sollen diese abgeschlossen sein, um dann im nächsten Schritt konkrete Baumaßnahmen planbar zu machen. Die Variante Nord wurde als die bisher beste Lösung präsentiert, da die Unterführung zentral liegt und zu Stoßzeiten von weniger Personen genutzt wird als die Südunterführung. Dort würden Aufzüge und wartende Menschen zu einer weiteren Verengung des Durchgangs und weiter zur Verlangsamung des Menschenflusses führen (Sicherheitsaspekt). Eine Installation, wie aus dem Plenum vorgeschlagen, an der Stadtbrücke sei zu prüfen, vermutlich aber zu teuer, nur schwer technisch umsetzbar und auch hier wären die Aufzüge am Ende des Bahnsteigs und nicht, wie oft gefordert, zentral gelegen. Darüber hinaus bestand aber Konsenz über die Wichtigkeit und die Bedeutung neuer Aufzüge und anderer Verbesserungen für alle Bürger_Innen Freiburgs, des Umlandes und auch für Touristen („Das Tor zur Stadt“). Die Finanzierung spielte natürlich ebenfalls eine wichtige Rolle, ließ sich aber erstaunlich einfach klären, da von allen wichtigen Geldgebern Stellungsnahmen vorlagen.

Kerstin Andreae brachte es am Ende klar auf den Punkt: Die wichtigsten Akteure (bzw. Geldgeber), Bund, Land, Stadt und Deutsche Bahn, sind bereit die Veränderungen zu finanzieren und das ist als Erfolg der Initiative BoB zu werten!

In ihren Schlussworten dankte Anke Dallmann den anwesenden Politikern_Innen und Vertretern_Innen für ihren Mut zum Kommen, den Organisationshelfern_Innen, den Kommunalpolitikern_Innen im Plenum und allen engagierten Bürgern_Innen für ihre Teilnahme und Unterstützung.

Durch die Veranstaltung führte souverän Sebastian Bargon, Hörfunkjournalist beim SWR.

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