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Bericht: "Bürgerwerkstatt Dietenbach: Vorbereitung des Wettbewerbs"

Das Prozessteam-Dietenbach und die Stadt Freiburg luden am Donnerstag, den 21. April 2016, von 18 – 21.30 Uhr alle Interessierten zur ersten Bürgerwerkstatt in das Bürgerhaus Zähringen ein.

Die Veranstaltung baute insbesondere auf dem dritten Bürgerdialog bzw. Bürgerforum mit dem Titel „Ein neuer Stadtteil entsteht – Von guten Beispielen lernen“ vom 18. Februar 2016 am gleichen Ort auf, bei dem das Netzwerk Inklusion Region Freiburg, Mitglied des Runden Tisches Dietenbach, anwesend war. Hier sammelten in der AG Menschen mit Handicap/Senior_innen die städtische Behindertenbeauftragte Frau Sarah Baumgart und der Netzwerk Mitarbeiter Michael Feller zusammen mit den Anwesenden wichtige Positionen, die bei der Planung des neuen Stadtteils zu berücksichtigen sind, um allen Bewohnerinnen des neuen Quartiers die Teilhabe in Vielfalt zu ermöglichen.

Bei der Bürgerwerkstatt ging es nun um die Frage, ob und wie die im Februar während des Bürgerdialogs erarbeitenden Ergebnisse in den Auslobungstext des städtebaulichen Wettbewerbs einfließen.

Zum Thema Inklusion sind dies im Einzelnen:

Inklusion/Barrierefreiheit:

  • Barrierefreiheit und hoher Wohnkomfort für Alle sind bei der Planung zu bedenken und auf ihre Realisierbarkeit zu prüfen; d.h. Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, in Einrichtungen, in den Wohnungen, barrierefreie Begegnungsmöglichkeiten inklusiver Modellstadtteil
  • Flächendeckend barrierefrei (statt Insellösungen), d.h. nicht nur barrierefrei wohnen, sondern auch Freunde und Nachbarn besuchen können
  • Wohnungen für Menschen mit Behinderung
  • Inklusion (Migranten, behinderte Menschen) soll mitgedacht werden
  • So lange wie möglich selbstbestimmt leben, selbstständiges Wohnen in jeder Lebenssituation
  • Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung, z.B. in Läden oder in Kooperation mit Werkstätten
  • Chance alle Bildungseinrichtungen inklusiv zu gestalten; Schulen, Kindergärten, Kitas inklusiv
  • Freizeitangebote barrierefrei und inklusiv unterstützen

 

Barrierefreiheit – im Detail:

  • Barrierefreiheit bei Wohnungen als Grundvoraussetzung Aufzüge, Zugänge, Nutzbarkeit; barrierefreie Bäder, Rollstuhlnutzbarkeit, offene Küchen, breite Türen, ebener Übergang zum Freisitz
  • Barrierefreie Gemeinschaftsräume und Begegnungsmöglichkeiten
  • Wohnen auch für Familien mit behinderten Mitgliedern
  • Stufenlosigkeit auf Wegen und Plätzen/Regenablauf, Rinnen rollstuhlgerecht/rollstuhlgängige Bodenstrukturen
  • Tastleitsysteme, QR-Code für Gehörlose; Ampeln akustisch; Leitsysteme für Blinde, auch an nicht signalisierten Übergängen
  • Gemeinsame/ doppelte Querungsstellen
  • Induktives Hören, Schalldämmung in allen öffentlichen Räumen
  • Optische und haptische Kontraste
  • Öffentliche, barrierefrei Toiletten

 

Sie finden die Positionen zu den weiteren Themenfeldern in der Präsentation „Aufbereitung der Ergebnisse des Bürgerdialogs für die Bürgerwerkstatt am 21. April 2016“ am Ende dieser Seite, jene zum Thema Inklusion sind auf der Seite 21, Punkte 16 und 17 aufgeführt.

Mit Blick auf die o.a. Forderungen im Bereich Inklusion betonten die Verantwortlichen in einer Stellungnahme, dass der Freiburger Gemeinderat am 28. Juli 2015 beschloss, dass Dietenbach als Modellstadtteil im Rahmen des Aktionsplans Inklusion geplant sei. Aus diesem Grund werde die Vorgabe, ein beispielhaft inklusives Quartier zu schaffen, auch in den Auslobungstext miteinfließen. Auch schließe der Gemeindesratsbeschluss eine inklusive Gestaltung der Gebäude wie auch Freiraumplanung, der Nutzungsmischung und der sozialen Teilhabe mit ein.

Bei der anschließenden Diskussion zu den oben dargestellten Aspekten rund um das Thema Inklusion brachte sich das Netzwerk Inklusion Region Freiburg (NIRF) aktiv ein: Anke Dallmann, Sprecherin des Netzwerks, meldete sich zu Wort und betonte, dass der Beschluss der Freiburger Gemeinderats, einen inklusives Modellquartier zu schaffen und die Aufnahme des Themas in den Auslobungstext ein erster Schritt seien. Dennoch müsse der Anspruch Modellstadtteil durch konkrete Maßnahmen gefüllt werden. Dass hier Bauvorgaben zur Barrierefreiheit wie z.B. die DIN 18040 nicht ausreichen würden, zeigten die (praktisch) gleichalten Beispiele Vauban und Rieselfeld, die Frau Dallmann bestens vergleichen kann, da sie in beiden wohnte bzw. wohnt. Auch hier hätten identische baurechtliche Vorgaben gegolten, dennoch sei das Rieselfeld aufgrund des expliziten Planerwillens deutlich barriereärmer als das Vauban. Dies zeige sich vor allem auch daran, dass Betroffene in zunehmenden Maße in das Rieselfeld zögen, da sie hier stadtweit die beste Infrastruktur vorfinden, um ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen.

Hier hakte Netzwerkmitarbeiter Michael Feller ein und fragte, wie im Konkreten sichergestellt werde, dass die von den Betroffenen entwickelten Ideen tatsächlich während der Planungs- und Bauprozesses Beachtung finden. Die Erfahrung zeige, dass nur die konsequente Einbindung der Betroffenen zu tragfähigen Ergebnissen führe, um ein eigenständiges Leben im neuen Quartier zu ermöglichen. Abschließend appellierte er an die Stadt, die Chancen des neuen Stadtteils zu nutzen und eine inklusive Gesamtschule zu errichten.

Anette Schubert, Vorsitzende der Projektgruppe Dietenbach, betonte, dass einzelne inklusive Baumaßnahmen noch nicht Teil des Wettbewerbstextes werden, sondern diese im Anschluss während der konkreten Detailplanung angegangen werden. Dennoch sei durch den Beschluss des Gemeinderats, ein inklusives Modellquartier zu schaffen gesichert, dass dem Inklusionsgedanken ausreichend Rechnung getragen werde.

Der konkrete Auslobungstext soll im Laufe des nächsten halben Jahres erarbeitet werden. Das NIRF wird sich als Mitglied des Runden Tisches Dietenbach weiter konstruktiv und kritisch in den Planungsprozess einbringen, damit der neue Stadtteil tatsächlich seinem Anspruch als inklusives Modellquartier gerecht wird.

Weitere Informationen zum Planungs- und Beteiligungsverfahren finden Sie zudem online unter: www.freiburg.de/stadtteil-dietenbach